Cannondale Moterra NEO 1 im Praxistest 

Verspieltes Trailbike mit gelungenem Setup

Der Jahreszeit geschuldet liegt unser letzter Testbericht schon ein paar Wochen in der Vergangenheit. Nichts desto trotz hatten wir das Vergnügen, die Trails im Schwarzwald mit dem brandneuen Cannondale Moterra NEO 1 zu befahren. Schon ein Blick auf das Datenblatt macht deutlich, dass das neue Trailbike des amerikanischen eBike-Herstellers vor allem vielseitig sein soll. Ausgestattet mit dem allseits bekannten Bosch Performance CX Antrieb und einem vollgefederten Fahrwerk mit reichlich Reserven bringt das moderne e-Mountainbike jedenfalls beste Voraussetzungen dafür mit. Ob es die hohen Erwartungen erfüllen kann, die die rasante Entwicklung des eMTB-Marktes heute mit sich bringt, konnten wir durch unseren intensiven Praxistest in Erfahrung bringen.

Inhaltsverzeichnis

Die Moterra-Serie von Cannondale

Das Thema e-Mountainbiking wird bei Cannondale sehr groß geschrieben, sodass die eBike Marke derzeit mit fünf verschiedenen Modellreihen (Moterra LT, Moterra, Moterra NEO, Cujo NEO, Trail NEO) an den Start geht, die insgesamt 14 verschiedene e-Mountainbikes beinhalten. Das Cannondale Moterra NEO, welches in drei verschiedenen Ausstattungsformen erhältlich ist, soll dabei vor allem vielseitig und abwechslungsreich im Gelände einsetzbar sein. Dabei ist bei dem als Trailbike bezeichneten eMTB vor allem die Rahmengeometrie und der Federweg ausschlaggebend, die sich für ein e-Fully im eher einsteigerfreundlichen Bereich bewegt. Dabei zeigt Cannondale durch viele kleinen Feinheiten, auf die wir in diesem Testbericht nach und nach eingehen werden, wie sie ihre e-Mountainbikes von der Konkurrenz abheben wollen.

Seitenansicht
Display und Lichtknopf
Schalthebel

Die Highlights am Moterra NEO 1

Am besten fangen wir direkt dort an, wo das Cannondale Moterra NEO für Akzente sorgen will. Ein Highlight bildet ganz klar und im wahrsten Sinne des Wortes die Beleuchtung des Trailbikes, die anders als bei den meisten anderen e-MTBs beim Moterra NEO serienmäßig verbaut wird. Das ist äußerst praktisch, denn der Supernova M99 Mini Frontscheinwerfer sorgt förmlich für eine Erleuchtung auf dem Trail, indem er mit seinen 1150 Lumen starken Lichtstrom ein unglaublich breites Sichtfeld ausleuchtet. Dadurch können Hindernisse, die vor allem in der gedämpften Herbstsonne nur schwer identifizierbar sind, auf Anhieb erkannt werden, sodass genug Zeit bleibt, um sein Fahrmanöver gegebenenfalls anzupassen. Der Strom für den hellen Scheinwerfer wir direkt aus dem 500 Wh starken Akku gespeist, wodurch allerdings kaum ein wahrnehmbarer Einfluss auf die Reichweite erzeugt wird. Der Schalter befindet sich gut erreichbar für den linken Daumen am Lenker unter der Display-Einheit.

SRAM NX Eagle und Bosch Performance CX

Neben der Beleuchtung sorgt auch die Schaltgruppe für Glanz in den Augen, denn die neue, auf die Anforderungen eines eMTBs angepasste SRAM NX Eagle Schaltung steht in der Saison 2019 besonders in den Schlagzeilen. Die 12-fach Schaltung, die unter den unmotorisierten MTBs schon seit einiger Zeit zum beliebten Maß aller Dinge gehört, bietet ein äußerst breites Spektrum in Sachen Übersetzung und passt deutlich besser zu einem eMTB als die im vergangenen Jahr weit verbreitete 8-Gang Schaltung EX1. Dort waren die Gangsprünge einfach zu groß, um eine konstante Trittfrequenz aufrecht zu erhalten, sodass die Fahrt im ebenen und aufsteigenden Gelände schlichtweg zu anstrengend wurde. Die 12-Gang Schaltung mit einer Kassette mit 11 – 50 Zähnen bietet hingegen genau die passenden Sprünge, um auch mit einer geringen Motorunterstützung für optimalen Antrieb zu sorgen. Dabei schützt sich das Schaltwerk selbst, indem es immer nur einen Gangwechsel pro Schaltvorgang zulässt, um die entstehenden Scherkräfte stets unter Kontrolle zu halten. Besonders in Kombination mit der intelligenten Software des Bosch Mittelmotors harmoniert die SRAM NX Eagle Schaltgruppe ungemein, worauf wir noch eingehen werden, wenn es um den Bosch Performance CX geht.

Die Geometrie

Wenn das Cannondale Moterra NEO als Trailbike gelten will, muss es vor allem die passende Geometrie dafür besitzen. In den Größen S bis XL ist das agile Allmountain-eMTB erhältlich, wobei es allerdings eher klein ausfällt. Unser Testbike hatte die Größe M, welche für unseren Testfahrer eigentlich eine übliche Größe ist, beim Moterra NEO allerdings ein Stück zu klein war. Dies lässt sich gut durch einen kleinen Blicktest erkennen: Stellt man die Sitzposition richtig ein und schaut zur Vorderradnabe, sollte der Lenker entweder auf derselben Höhe wie diese sein oder ein kleines Stück entfernter vom Körper sein. Liegt die Nabe in Blickrichtung über der Lenkstange, ist die Rahmengröße erfahrungsgemäß etwas zu klein.

Besonders hervorzuheben sind die kurzen Kettenstreben des Moterra NEO (457 mm), denn durch diese wird ebenfalls der Radstand verkürzt, was wendige und verspielte Fahrmanöver stark begünstigt. Dafür wurde allerdings eine breitere Nabe am Heck verbaut, sodass die Kettenstreben mehr in die Breite gehen, um die Kettenlinie mit dem Bosch Performance CX Motor in Einklang bringen zu können. Dadurch können auf breitere Laufräder verwendet werden, die durch ihre Bespeichung für extrem gute Stabilität sorgen.

Federgabel und Dämpfer

Wer auf abwechslungsreichen Trails mit moderater Beschaffenheit bestehen will, benötigt eine entsprechende Federung, die sowohl Unebenheiten dämpfen kann, als auch für eine möglichst direkte Kraftübertragung vom Mittelmotor auf den Untergrund sorgt. Cannondale hat sich bei seinem Moterra NEO deshalb für einen Federweg von 140 mm vorne und 130 mm hinten entschieden.

Cannondale Moterra NEO 1 Sprung

Die Federgabel stammt aus der Pike-Serie von RockShox und besteht aus 35 mm langen Standrohren. Während der Fahrt zeigte sich diese als sehr präzise und gleichzeitig geschmeidig, da sie sich selbst durch harte Lenkeinschläge nicht aus der Ruhe bringen ließ. In Sachen Steifigkeit bietet die Pike-Federgabel eine angenehme Charakteristik, da sie auf den ersten Millimetern sehr schnell einfährt, jedoch mit zunehmender Strecke schnell härter dagegen hält. Das sorgt in Kombination mit der Bereifung für viel Traktion und Sicherheit auf kurvigen Strecken. Einstellen lässt sich der Grad der Federung per Druck- und Zugstufenregler, wobei die Druckstufe in unserer Einstellung komplett geöffnet war und die Zugstufe vier Klicks vor dem Maximum gesetzt wurde. Die Einstellung variiert hier natürlich von Fahrtyp zu Fahrtyp.

Am Heck wird das Moterra NEO durch einen RockShox Deluxe Dämpfer abgefedert, welcher am Oberrohr ansetzt und in seiner Funktionsweise besonders viel Widerstand gibt – so wie es sein soll. Dadurch lassen sich auch Anlieger mit hoher Geschwindigkeit passieren, in denen der Dämpfer das Heck aktiv nach vorne treibt. Auch bei Sprüngen über Wurzeln oder von Bodenwellen aus reagiert die Federung so gut, dass zuerst die Front hochgezogen werden kann und das eMTB anschließend am Heck nach oben gezogen werden kann, ohne dabei träge zu wirken.

Die Bereifung

Auch die Bereifung passt ideal in das Gesamtkonzept des Cannondale Trailbikes. Die 27,5-Zoll-Bereifung von Maxxis ist auch in der Breite endlich nicht mehr überproportioniert und bietet mit 2,6 Zoll breiten Reifen genau das passende Maß für agile Fahrten. Dabei gräbt sich das griffige Profil stets zuverlässig in den Untergrund und sorgt für Sicherheit und Traktion. Da bleiben kaum Wünsche offen. Lediglich eine Version mit 29 Zoll Laufrädern fehlt aus heutiger Sicht betrachtet.

image Cannondale Moterra NEO 1 im Praxistest 
image Cannondale Moterra NEO 1 im Praxistest 
image Cannondale Moterra NEO 1 im Praxistest 

Die Scheibenbremsen

Die Bremsanlage des Moterra NEO muss natürlich mit der dynamischen Fahrweise des Trailbikes umgehen und das eMTB schnell und sicher verlangsamen können. Dafür sollen die Vier-Kolben-Bremsen in Form der SRAM Guide RE Scheibenbremse sorgen, die mit einer 200er Scheibe in der Front und einer 180er Scheibe am Heck ausgestattet ist. Auf der Teststrecke bewies das System, dass es ausgewogene Bremsmanöver durchführen kann und zuverlässig verzögert. Die Bremskraft lässt sich über die Bremssättel schön dosieren, sodass die Reifen nicht an Halt verlieren oder gar blockieren, war auf dem Trail fatale Folgen haben kann. Bei der Guide RE Bremsanlage handelt es sich um die für eBikes optimierte Version der zuverlässigen SRAM-Bremse, die aus unserer Sicht perfekt in das Konzept eines dynamischen Trailbikes passt.

Der Bosch Performance CX Mittelmotor

Cannondale Moterra NEO 1

Zu guter Letzt widmen wir uns natürlich auch dem Herzstück des e-Mountainbikes von Cannondale: Dem Bosch Performance CX Mittelmotor. Dieser hat bei vielen bereits den Ruf inne, dass er technisch überholt sei und die Konkurrenz mittlerweile zu stark sei. Dennoch gehört der CX-Antrieb nach wie vor zu den am häufigsten verbauten e-Bike Motoren, was ja irgendwo einen Grund haben muss. Sicherlich gehört der eMTB-Antrieb mit seiner massiven Bauweise nicht mehr zu den leichtesten Motoren auf dem Markt, was auch bei dem Gesamtgewicht des 23,9 kg schweren Cannondale Moterra NEO zu Buche schlägt. Allerdings arbeitet die Software beim CX-Motor so zuverlässig und intelligent, dass der Mittelmotor nach wie vor zu den besten e-Bike Motoren im Gelände zählt. Die fein abgestimmte Sensorik des 75 Nm starken Antriebs erkennt vor allem im dynamischen eMTB-Modus die Beschaffenheit des Untergrunds so gut, dass das e-Mountainbike selbst auf laubbedecktem Boden ohne Probleme aus dem Stand starten kann. In Kombination mit der 12-Gang Schaltung von SRAM entsteht ein unglaublich gutes Fahrgefühl, wie es bei kaum einem anderen Setup zustande kommt. So schafft es der Bosch Performance CX auch im Jahr 2019 noch Up-To-Date zu bleiben. Lediglich der sparsame Eco-Modus liefert im Vergleich zur Konkurrenz einfach zu viel Widerstand, der sich auch bei der Lautstärke bemerkbar macht. 

Unser Fazit

Das Cannondale Moterra NEO will ein sportliches und agiles Trailbike sein. Aus unserer Sicht hat das Entwicklerteam hier auch ganze Arbeit geleistet, denn das eMTB glänzt durch ein nahezu vollkommenes Gesamtpaket. Einziges Manko ist unserer Meinung nach das Gesamtgewicht, welches im Vergleich zu anderen Allmountain-eMTBs etwas über dem Durchschnitt liegt. Auf der anderen Seite zaubert einem der Bosch Mittelmotor in Kombination mit der SRAM 12-fach Schaltung auf Anhieb große Freude ins Gesicht, die auch zu äußerst mutigen Fahrmanövern motivieren. Das Fahrwerk ist mit einem Federweg von 130/140 mm gut ausbalanciert und bei der Bereifung verzichtet Cannondale auf überflüssigen Schnick-Schnack, wie zu breiten Plus-Reifen. Wer also gerne verspielt und schnell im Gelände unterwegs ist, sollte sich eine Probefahrt mit dem Cannondale Moterra NEO 1 nicht entgehen lassen.